Zirkus Fatal / Schattenrhapsodie
Musikalische Darbietung
Am: Sonntag, 02.05.2010 um 15h
Ort: auf dem Heiligengeistfeld
Eine Rhapsodie war ursprünglich ein von griechischen Wandersängern, den Rhapsoden, vorgetragenes Gedicht oder Teil einer Dichtung. Heute versteht man unter Rhapsodie ein Vokal- oder Instrumentalwerk, das an keine bestimmte Form in der Musik gebunden ist. Die musikalischen Themen der Rhapsodie sind regelmäßig lose miteinander verbunden, sie können flüchtige, unzusammenhängende Motive sein, die nicht unbedingt aufeinander aufbauen oder verschränkt sind.
Die Protagonisten des Ensembles Zirkus Fatal sind bildende Künstler/innen ohne privilegierte musikalische Vorbildung. Sie teilen unter anderem das Interesse am Prinzip der Improvisation und des Experiments an sich. Es geht hier nicht darum ein oder mehrere Instrumente zu beherrschen, sondern der als entwürdigend empfundenen Institutionalisierung der Musik offen entgegenzutreten.
Zirkus Fatal sind: Christina Schlieter, Eva Zulauf, Ralf Kleinemas
(voc, key, sax, dr, b, git u.a.)
Eintritt frei
Zirkus Fatal, musikalisches Spiel im POW am 4.12.2009 in Hamburg
Christina Schlieter / Eva Zulauf / Ralf Kleinemas
Aus der Erinnerung einer Mitspielerin (5.12.2009)
„Ich war sehr aufgeregt, aber irgendwie ruhig – aufgeregt... mir war warm, aber nicht zu heiß... C. sagte an – wir setzten uns alle hin und erst war es laut. Sie klatschten – waren selbst aufgeregt... leider saßen alle am Sofa – auf Stühlen – ein paar vor der Scheibe... ich spürte zwischendrin, dass sich C. mit dem Rücken zum Publikum nicht wohl fühlte... es hätten noch ein paar hinter dam Harmonium sitzen können, die Ecke war vielleicht zu abweisend. Und dann wurde es ganz still. C. fing an, mit ihrer Stimme zu tönen. Die Stimme war sehr brüchig, vor Aufregung, aber nicht unsicher. Und dann kann ich mir nur vereinzelt an musikal. Momente erinnern. Ich hatte noch 2 mal Blickkontakte mit Besucherinnen aus dem Publikum. Aber dann spürte ich das Publikum nicht mehr. Alles senkte sich. Es gab keine Erhabenheit mehr. Alles war gleich – kein höher oder niedriger. C. schlug das Hyatt zwischendurch so laut, dass sich jeweils meine Augen schlossen, reflexartig vom Schlag. Und als das Flüstern, das Scharren und Jackenstreifen zu unserem Spiel wurde, musste ich lächeln. Einmal war mein Arm von mir gelöst. Als ich das Zebratrömmelchen spielte – da schaute ich auf meinen Arm und wusste, dass er nicht mehr zu mir gehörte. Er wurde bewegt. Die Bewegung machte er selbst. Nicht ich als Person. Sowieso kamen alle Bewegungen nur aus dem Körper. Nicht von meiner Persönlichkeit gesteuert, sondern nur rein vom Körper als eine andere Instanz. Die Zeit regelte das Abschweifen. In der Hälfte ungefähr wusste ich nicht mehr was machen... ich dachte, dass die Zeit noch ewig so weiterlaufen würde und ich sie nicht füllen kann... Das Denken, merke ich jetzt, war wohl ein Zeichen für ein verloren sein. Das Gefühl hatte ich zwischenzeitlich. Und doch fing sich mein Körper, und wusste irgendwie was er tun muss. Die Freiheit als ein Senken. Eine Ebene, wo nur noch gilt, Bewegung darin zu formen/herzustellen. Alles andere ist nichtig/nicht wichtig. Klingt esoterisch, vielleicht ist es das auch. Aber es ist durch die Aktion dieser Konzentration zu erreichen. Und gerade wenn ich innehielt, also nicht ´spielte´, war das Gefühl von Ebene, von Freiheit sehr greifbar. Das ende war mein letzter Schlag unserer Vorführung. Danach war ich verloren, irgendwie. Ich suchte nach Austausch/Gespräch/Empfindungen... erwartete mehr – und tanzte dann nur noch. Körperlich spüre ich einen Tag später eine Erschöpfung. Meine Schultern sind verspannt, es fühlt sich an wie nach einem Tag in der Kälte auf Skiern. Dieses Gefühl von Müdigkeit kenne ich aus meiner Kindheit. Da hatte man sich verausgabt und strengte für einen Tag Muskeln an, die sonst nie genutzt wurden. Meine Hände sind geschwollen – in der U-Bahn wollte ich meinen Rucksack vom Boden heben – und zuckte zusammen – eben in dem ´Puppenarm´ verpürte ich einen stechenden Schmerz. Und ich rief aus. In der U-Bahn."